Die ‘Shisha Bar’, die Anirudh und ich gestern vergeblich suchten hat ein Ambiente, dasss ich so in Indien nur selten – wenn ueberhaupt – erlebt habe. Schummrig, nur von den Kerzen auf den Tischen der Gaeste erleuchtet, an den Seiten mit Polstern ausgestattet, auf denen man sich neben kleinen Tischchen luemmeln und – wer haette das gedacht – Shisha rauchen kann. Dazu spielt im Hintergrund Salsa-Musik a la ‘Buena Vista Social Club’ und rundet das ganze akustisch noch ab. Sehr entspannend.
Ich mache hier in Pune nur einen kurzen Zwischenstopp. Touristisch hat die Stadt nicht viel zu bieten, aber es ist eine gute Gelegenheit endlich aus Bombay herauszukommen und nochmals meinen Freund Anirudh zu treffen.
Es ist nur ein kurzer Stopp, aber den Eindruck, den ich dabei von Pune gewinne ist, dass es sich hier fast noch besser studieren laesst, als in Kolkata.
Mit Symbiosis Pune und ILS zwei bekannte juristische Fakultaeten praesent. Zumindest erstere ist auch fleissig am Studentenaustauschen. So sagten uns zumindest die Studenten, von Symbiosis, die uns zu unserem Sportfest in NUJS besuchten.
ILS ist uns noch schmerzlich in Erinnerung als die Uni mit Sportlerquote, die mit ihren Volleyballern (das unter anderen auch drei indische Nationalspieler umfasste) im Finale regelrecht in den Boden stampften. Dafuer, dass unser Team fast nur aus Amateuren bestand, die in Kolkata zum ersten mal einen Volleyball in die Hand genommen hatten, haben wir uns damals aber damals trotzdem fantastisch geschlagen, moechte ich nochmal betonen.
Die Musik wechselt jetzt zuerst zu Jazz und dann zu Funk
Aber was ist denn jetzt so toll an Pune?
Zunaechst einmal das Wetter. Es ist weder so heiss, wie in Hyderabad, im Osten, noch so schwuel, wie Bombay, im Westen. Man kann in Jeans und Turnschuhen umherlaufen ohne dabei uebermaessig in Schweiss auszubrechen und brauch auch nicht zu fuerchten einen Hitzschlag zu erleiden. Man kann Nachts – sogar im Sommer!) ohne Ventilator schlafen.
Zugegebener Massen koennte ich das nicht, wenn ich nicht mittlerweile einigermassen an die hiesigen Temperaturen gewoehnt waere. Ein herrliches Gefuehl morgens nicht schweissgebadet aufzuwachen.
Gut, Wetter kann man verkraften. Den Monsun habe ich in Kolkata ja auch ueberlebt – rueckblickend eine ganz schoene Leistung!
Pune hat noch andere Vorteile:
Es ist liberaler und moderner als Kolkata.
Deutlich mehr Maedels und Jungs laufen mit westlichen Klamotten herum und ich meine auch Paerchen haendchenhalten gesehen zu haben. In Kolkata nicht denkbar.
Es gibt eine florierende Musikszene.
Allein gestern spielte in unterschiedlichen Bars eine schwedische, eine franzoesische und eine irische Band. In den Parks und auf der samstags zur Fussgaengerzone erhobenen MG Road, treten wohl des oefteren Bands aller Musikrichtungen auf.
Gut, sie haben keinen bengalischen Death Metal, aber die Bandbreite der hier dargebotenen Musik scheint doch trotzdem deutlich hoeher zu sein.
Es gibt ein tolles Viertel mit Caffes, Bars, Restaurants und Discotheken, in denen sich Punes Studenten tummeln, ohne dass man dabei, wie z.B in Pondicherry oder Fort Kochi, komplett aus Indien herausgerissen wird. Wie es schon im Lonely Planet heisst: eine gute Fusion aus altem und neuem Indien.
Pune bietet also eine ganze Menge, ohne dabei ein Moloch zu sein, wie beispielsweise Kolkata oder Bombay. Alles ist bequem mit Rikshaw zu erreichen.
Soviel zu meinem Kurzaufenthalt mit Stadtkritik.
Es erklingt jetzt Blues, im Hintergrund.
Die Stadt scheint denen, die hier leben einen Angenehmen Aufenthalb bieten zu koennen. Touristisch ist hier nicht allzuviel. Angeblich kann man hier gut Feiern, aber um alleine in die Disco zu gehen, habe ich keine Lust. Und Anirudh – indische Jugendliche haben es schwer – muss schon um halb zehn den Heimweg antreten.
Klingt ja sehr interessant, die Stadt. Ist auch für Yoga bekannt.
So ne Shishabar hatten wir in Delhi genau gegenüber der Uni. Im Keller und mit allem drum und dran. Da haben sich die wenigen “alternativen” (was auch immer das genau ist) Studenten getroffen.
ja, genau gegenüber des wohl bekannten ashrams in pune habe ich einen kaffee zu mir genommen und war von der hippieartigen athmosphere doch eher abgeschreckt…thomas, du erinnerst dich: german bakery??
es kuehlt also abends ab in pune? die glücklichen!
als ich vor einem monat dort war, wars allerdings SEHR HEISS tagsüber…
du willst also zum studieren nach pune…?
anja
Ich werde ueberhaupt nicht mehr in Indien studieren. Wenn ich allerdings vor der Wahl stuende, wuerde ich Pune ernsthaft in Erwaegung ziehen.
Heiss war es zwar schon in Pune – es ist Sommer in Indien – aber deutlich ertraeglicher als in den genannten anderen Staedten.