Mein Eindruck von Mumbai
9. Mai 2008 von Paul
Südmumbai sieht so organisiert, sauber wohlhabend und westlich aus, dass es genausogut in Mitteleuropa sein könnte. Anja scheint mir da zu wiedersprechen, so dass ich davon ausgehen muss, dass dies nur im Vergleich zu anderen indischen Städten zutrifft. Nach einem sehr seltsamen Film im Goethe Institut, wo sie arbeitet, hatten wir Zeit uns auszutauschen.
Ich hatte zuvor schon Poulomi, die aus Kolkata kommt, mit der brüsken Aussage schockiert, dass Kolkata im Vergleich zu Mumbai aussieht, als hätte man eine handvoll Dörfer zusammengepackt und ein paar mal mit dem Knüppel draufgehauen. Ausgesprochen lustige Reaktion, muss ich sagen!
Aber es stimmt durchaus. Schon Florian hatte erzählt, dass Mumbai die westlichste Stadt sei, die er bisher in Indien gesehen hatte, als er von einem Besuch bei unserem Kommilitonen Anuj zu NUJS zurückkehrte.
Im besseren Stadtteil von Mumbai, sieht man gut erhaltene viktorianische Gebäude, Straßen ohne Schlaglöcher, begehbare Gehwege und es ist sehr sauber. Sogar die normaler Weise allgegenwärtigen Kühe fehlen. Ergänzt wird das ganze noch durch eine große Auswahl westlicher Restaurants, in denen man nachherzenslust schlemmen kann. Wenn man sichs denn leisten kann. Mumbai ist nicht nur die westlichste, sondern auch die teuerste Stadt Indiens. Selbst im schäbigen Dormitory der Salvation Army (Heilsarmee) zahlt man noch 165 RS, pro Nacht und die besten Wohnungen in Mumbai sind teurer als die teuersten Wohnungen in New York. Mit dieser Stadt wird Mumbai, dass früher Bombay hieß, gerne und oft verglichen. Beides sind Millionenstädte (hier ca. 16mio Einwohner), umgeben von Meerwasser und selbst die Skyline Mumbais sieht vielversprechend aus. Beides sind bedeutende Wirtschaftszentren.
Wenn man das jetzt liest, fragt man sich, warum es so viele Reisende gibt, die Mumbai als laut, dreckig und schäbig emfpunden haben. Wie wir heute beim Frühstück übereinstimmend feststellten, sind das eigentlich immer die Leute, die in Mumbai ankommen und vorher noch nichts von Indien gesehen haben. Wenn man keine Vergleichsmöglichkeit hat, weiß man ja nicht, wie gut es einem geht. Andererseits ist natürlich auch in Mumbai nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Die Stadt hat angeblich den größten Slum Asiens, durch den man praktisch stundenlang fahren kann, wenn man die Stadt mit dem Zug verlässt. In dieser Hinsicht dient Mumbai als Sinnbild der Geteiltheit Indiens. Superreich und superarm leben eng beieinander. Und zugegebener Maßen, wer wohnt schon im Einkaufs und Partyviertel, außer uns Touristen? Das ‘richtige’ Mumbai, da wo man wohnt, liegt wohl eher richtung Norden. Wie es da aussieht, weiß ich nicht.
Aber genug von diesem politisch korrekten, Diplomatengewäsch! Meine beiden großen Ziele hier sind noch als Statist in einem Bollywoodfilm mitzuspielen und die Clubs der Stadt auszukundschaften. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!