Fort Kochi [Bilder] ist sehr nett und ruhig. Die portugiesisch-holländische Exkolonie erinnert daher sehr an Pondicherry. Mir ist es allerdings schon zu vornehm und teuer. Kein typischer Backpackerplatz mehr, würde ich sagen. Vielleicht täuscht das aber auch, schließlich ist die Saison schon vorbei und nur wenig Touristen im Ort.
Für mich war Kochi der Ausgangspunkt für die Bootstour durch die berühmten ‘Backwaters’ von Kerala. Stundenlanges dümpeln mit den Stocherkahn – sehr entspannend. Der siebenstündige Ausflug war zwar nicht umwerfend, aber dass ein, zwei Tage auf einem der Hausboote ein einziger Traum sein muss – die richtige Begleitung vorausgesetzt – wird mir schon klar.
Am Morgen des Abreisetages aus Fort Kochi weiß ich immer noch nicht, wo ich eigentlich als nächstes hingehen soll. Ich weiß nur, dass ich nicht noch mehr Zeit hier vertrödeln kann und will. Aber wohin? Mumbai? Bangalore? Hampi? Im Internetcafé versuche ich diverse Reisepläne auszuarbeiten und stolpere über die E-Mail meiner Kommilitonin Amoolya. Sie schreibt, sie habe gerade ihr sechswöchiges Praktikum hinter sich gebracht und verbringe nun eine Woche zu Hause in Mysore. Das liegt doch eigentlich so ziemlich auf dem Weg und so kündige ich mein Kommen für den nächsten Morgen an.
Highlights in Mysore [Bilder] sind unter anderem ein Naturreservat für Vögel, außerhalb Mysore, wo wir mit einem Paddelboot in Krokodilverseuchten Wassern treiben und wo ganze Bäume mit voller riesenhafter, schwarzer Fledermäuse hängen, die sich mit ihren ledrigen Flügelnn ständig Luft zufächern. Allein schon das Geräusch reicht aus, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft.
Der Palast in Mysore ist vielleicht der schönste, den ich bisher in Indien gesehen habe und die alten Frauen, die sich in den vollgestopften Bussen Mysores regelrechte Kämpfe liefern, die rücksichtslosesten. Hier wird mal ein kleines kind gnadenlos zur Seite geschubst und halb zerdrückt, da wird sich in rüdestem Ton angezickt. Mehrfaches Nachfragen meinerseits bringt mir jedoch die Antwort ein, dass dies nicht Ursprungsort der matriarchischen Gesellschaften Indiens ist, von denen jeder wahrscheinlich schon einmal gehört hat. Vielen Dank Amoolya, für die schöne Zeit in Mysore!
Auf meiner Weiterfahrt nach Hampi verbringe ich einige Stunden mit meinen Freunden Kavana, Mayur und Medha in Bangaluru (ehemals ‘Bangalore’). Wie man auf den Bildern sieht, sind unsere Gesichter, selbst als wir aus der Geisterbahn heraus sind, immer noch angstverzerrt. Danke dass ihr es möglich gemacht habt, dass wir uns hier für ein paar Stunden treffen konnten – trotz der kurzfristigen Angkündigung.
Leider habe ich mir in Mysore wohl den Magen verdorben, In Hampi [Bilder] – Tempelruinen soweit einen die eigenen Füße tragen, in einer faszinierenden Felslandschaft – habe ich jedenfalls Lust auf gar nichts und muss mich zum Essen regelmäßig zwingen. Ich verdrücke, alles in allem, ganze Wagenladungen Fruchtsalad und Bananenmilchshake.
Die letzten zwei Tage gebe ich dem ganzen dann doch noch mal eine Chance und bin überwältigt – weniger von den Tempeln (mit Hindutempeln kann ich einfach nicht so viel anfangen), sondern von der Landschaft. Hier herumzukraxeln zu wandern und spazieren zu gehen macht einfach nur Spaß. Der Ort ist auf jedenfall schonmal vorgemerkt, für den nächsten Besuch. Dann aber nicht außerhalb der Saison, wenn die hälfte des Ortes schon permanent geschlossen ist.
Jetzt sitze ich in meinem Zug nach Hyderabad [Bilder], wo ich hoffentlich Anirudh treffen werde und kritzle in das Notizbuch, dass ich vor meiner Reise als Abschiedsgeschenk von Abhisaar geschenkt bekommen habe. Eines der nützlichsten Utensilien auf meiner Reise!
In einem Monat geht in NUJS das neue Semester los und Hava, die dann für ein Jahr uns Deutsche hier vertreten darf, dürfte jetzt schon so langsam auf glühenden Kohlen sitzen. In Leipzig habe ich wohl Stefans Geburtstagsfeier verpasst und die eine Sache, die ich letzte Nacht im Sleeperabteil meines Zuges gelernt habe und die mcih zum Niederschreiben dieses Blogeintrages motiviert hat, habe ich schon wieder vergessen.
Zusammenfassung: Fort Kochi, Mysore, Hampi
1. Mai 2008 von Paul
Klingt mal wieder super. Vor allem, dass du auf der Reise immer wieder Kommilitonen zu Hause besuchst, das hat bei mir nicht hingehauen. Der eine Ladakhi, den ich vom Wohnheim kannte, fand seine Heimat eh scheiße und hat sich gefragt, wieso die ganzen Touristen da hin gehen – „only stones!!“
Was ist denn das mit der Vertretng der Deutschen? Wie viele seid ihr denn?
lg Thomas
Hey Thomas, das ist ja nett mal wieder was von dir zu hören!
Mal sehen ob er mit Ladakh recht hat. Hoffe ich komme da Anfang Juni noch hin.
Das Kommilitonenbesuchen ist schon das Beste am Reisen. Besonders, wenn man dann noch Sachen gezeigt bekommt, die man sonst vielleicht nicht sehen hätte können.
Ist ja super, dass du einen Kommilitonen aus Kashmir hattest! Das fehlt mir noch in meiner Sammlung
Was die Vertretung der deutschen Studierenden betrifft, weiß ich für nächstes Semester nur von Hava, dass sie kommt. Im Semester drauf kommt dann wieder ein Freiburger hinzu. Ich muss ja leider das Feld räumen und kann nur nochmal als Gast für ein paar Tage im Juni anwesend sein. Besser als nichts.
Schön, dass du deinen Blog noch so weiterführst. Hoffe ich werde das auch können.
LG Paul
Hey Paul, Vorsicht, Kashmiri != Ladakhi. Die beiden Fraktionen, sind zwar im selben Bundesstaat gelandet, zoffen sich aber ganz schön. Religion, Ethnie, und Kultur sind grundverschieden.
Eine spannende Reise weiterhin!
lg Thomas