Wofür habe ich das ruhige Pondicherry, mit seinem guten französischen Essen verlassen? Ich habe hunger. Meine Laune ist schlecht (wer mich kennt, weiß um den engen Zusammenhang dieser beiden Größen).
Warscheinlich deshalb kann ich die Stadt auf Anhieb nicht leiden. So wie eigentlich alles, gerade. Vielleict sollte ich das mal untersuchen lassen, aber wenn ich hungrig bin ist einfach alles Mist!
Und dann gibt es hier nur indisches Essen. Das kann ich jetzt wirklich nicht gebrauchen. Ich hoffe ich kann die Stadt morgen wieder verlassen. Aber wie und wohin? Mit leerem Bauch kann ich mich einfach auf nichts anderes Konzentrieren, als Essen und miese Laune. Das merkt man vielleicht schon daran, dass ich die ganze Zeit vom Essen schreibe.
Nachdem im Bus – völlig untypisch für Indien – für fast zwei Stunden noch Sitzplätze frei waren, drängen sich in der letzten halben Stunde nocheinmal dutzende Inder herein. Aufgrund des Pilgerstroms auf der Straße dauert die letzte halbe Stunde dann auch nochmal mindestens eine ganze Stunde.
Mein Sitznachbar bittet mich um Adresse und Telefonnummer in Deutschland und ich denke mir etwas schönes für ihn aus. Gibt es eigentlich eine Ochsenstraße in Leipzig? Ich bin mir sicher, er wird nie nach Deutschland kommen und ich will nicht jedem einfach meine persönlichen Daten geben. Nach einer kurzen Pause bittet er mich, ihm einen Job in Deutschland zu vermitteln. Alles! Ich speise ihn damit ab, dass es ihm ja an Deutschkenntnissen mangle, ohne die man in Deutschland keine Arbeit finden könne.
Gegen Ende der Fahrt bittet er mich dann noch um eine deutsche Rupie, als Andenken. Lustig, ich merke, dass ich vergessen habe wie Euroscheine aussehen.
Generell könnte es ja eigentlich ganz interessant sein, sich mit den Leuten auf der Straße zu unterhalten, aber es bleibt meistens bei reinen Sprechübungen für meine Gesprächspartner.
Ich: I was studying in Kolkata. University.
Inder: Kolkata big city. Big!
Ich: Yes.
Inder: Also Delhi big city. Mumbai.
…
Ähnlich geht das dann mit Themen, wie Ehe und Familie, Hinduismus und so weiter. Mir kommt dabei die Rolle des Lehrers zu, die Aussagen meines Partners wertzuschätzen und eine mit dem gesagten in Beziehung stehende Antwort zu geben. Manchmal ist das ein wenig frustrierend oder gar nervig. Und die, die besser Englisch sprechen wollen meist nur etwas verkaufen.
Das klingt jetzt alles vielleicht ein bischen böse, so ist es aber eigentlich nicht gemeint. Ich versuche bloß einigermaßen objektiv die Situation zu schildern. Manchmal ist es wirklich total super mit den Leuten zu sprechen. Selbst wenn man sich dabei fast ausschließlich seiner Hände und Füße bedient.