Eine staubige Straße in glühender Hitze. Unser hitzegebeuteltes Gehirn versucht durch Verdampfung seinem knöchernen Gefängnis zu entkommen und malt uns bunte Fantasiebilder in die Landschaft. Da drüben halluzinieren wir einen Haufen Rucksäcke die Straße entlangstolpern.
Doch was ist das? Als wir uns dem Hirngespinnst nähern verblasst sie nicht etwa! Stattdessen wachsen ihr Arme, Beine und einen Kopf. Weiter! Wir sind jetzt ganz nah und erkennen einen kurzhaarigen, unrasierten Europäer, der so nass ist, dass man vermuten könnte, er wäre stundelang durch den Monsunregen gewandert. Der Gedanke an Wasser in dieser Hitze ist geradezu lächerlich.
Wer kann dieser verschwitzte Irre bloß sein?
Unser Blick streift die winzige Gitarre, die von seiner Schulter baumelt. Aha! Es ist Paul.
In den wenigen Pausen, die er zwischen den Schlucken macht, die er aus seiner Wasserflasche nimmt, als wäre er ein Fisch und bräuchte das Wasser zum atmen, erzählt er uns, in kurzen gehechelten Satzbrocken, dass er am Highway auf einen Bus nach Pondicherry warten will. Wir haben nichts wichtigeres zu tun. Folgen wir ihm doch ein Weilchen.
Wir beobachten seinen fruchtlosen Versuch einen Bus zu besteigen, der ohne ihn abfährt, als er sich nach seinem Gepäck bückt. Mitleidig blicken wir in sein Gesicht, das sich zur ungläubigen Fratze verzerrt, als er dem Bus nachstarrt. Nun wird er sich wohl zum sterben in den Straßenrand legen.
Wir schütteln resigniert den Kopf. Welch ein Ende für unseren Held. Wir setzen unseren Weg fort um die traurige Szene nicht mit ansehen zu müssen. Welch ein Ende…
Nette Geschichte, mein Freund. Aber ganz so war es ja dann doch nicht. Gut, es war schon schockierend den Bus einfach so vor meiner Nase abfahren zu sehen. Ist mir so tatsächlich vorher auch noch nicht passiert. Aber es hat ja keine zwanzig Minuten gedauert, bis zum nächsten Bus. Und den habe ich dann auch umso stürmischer überfallen. Mit vollem Gepäck n die Tür. Zielkoordinaten bestätigen lassen und dann nichts wie in den Passagierbereich quetschen. Sitze gibt es keine mehr, aber auf dem Boden ist ja noch massig Platz. Also auf den Reiserucksack gesetzt und Musik auf die Ohren. Iggy Pops Passenger fließt aus den Kopfhörern auf mein Trommelfell und ich recke meinen Hals um ebenfalls den Himmel durch das Fenster zu betrachten. Ich bin ein verdammter Backpacker in Indien und ich liebe es!
[...] April 2008 von Paul Hab ganz vergessen den “Weg nach Pondicherry” online zu stellen. Um die zeitliche Reihenfolge einhalten zu können daher dieser hässliche [...]