Letzte Nacht wachte ich unter dem Lärm eines Platzregens auf Plastikfolie auf. Verdammt! Der Monsun ist tatsächlich auf den Andamanen angekommen. Meine größte Sorge ist, mein Dach könnte ein Leck haben und mein Laptop könnte beschädigt werden. Sofort wird er in Plastiktüten eingewickelt, mit Klamotten abgedeckt und näher an mich herangerückt.
Neulich hat schon mein Mobiltelefon den Geist aufgegeben, als es mir in den nassen Sand fiel. Nach dem Anschalten sagt es mir jetzt, ich solle eine SIM-Karte einlegen, obwohl sich eine funktionstüchtige Karte bereits darin befindet. Mist! Meine einzige Uhr! Mein Wecker! Mein Kontakt zur Außenwelt! Welcher Idiot bei Nokia hat das Teil denn so programmiert, dass man Funktionen, wie Wecker und Uhr nur nutzen kann, wenn man eine SIM-Karte eingelegt hat? Soetwas darf mir jedenfalls nicht mit weniger ersetzbaren Geräten passieren!
Den Rest der Nacht träume ich mal wieder, dass meine kostbare Digicam nass wird. Der Standardalptraum Nummer eins, während des Monsuns letztes Jahr.
Vielleicht weil ich in letzter Zeit so viele Filme gucke ist mir eine verblüffende Ähnlichkeit des täglichen Lebens auf den Andamanen – eigentlich in Indien allgemein – mit Horrorfilmen aufgefallen. Rechtzeitig bevor es dunkel wird muss man sich schnell in seine Hütte zurückziehen und gegen Blutsauger präparieren. Besonders Füße und Handrücken müssen gut mit „Odomos“ eingerieben und nach möglichkeit ein langärmliges Hemd und eine lange Hose angezogen werden. Sonst wird man, sobald es ein wenig zu dunkel geworden ist, von allen Seiten angefallen und bis auf den letzten Tropfen von Mücken ausgesaugt. Das kann man sehr dramatisch gestalten. Ein entsetzter Blick auf die untergehende Sonne (und vielleicht die Handyuhr, falls funktionstüchtig), ein Sprint zur Hütte, hektisches Kramen nach der Odomos-Tube, ein entsetztes „sie kommen!“, Einreiben und Klamottenwechsel unter gelegentlichem Schlagen auf scheinbar juckende Körperteile und verächtliches Lachen nach vollendeter Transformation. Mücken wären tatsächlich kein Verlust für die Welt, sollten sie einmal erfolgreich ausgerottet werden.