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| Mriganka in der Teeplantage | 28. Dezember 2007. Wie kalt es wohl in Deutschland ist? |
Assam: Eine der „seven sisters“ (sieben Schwestern), der sieben Bundesstaaten, die allgemein als Nord-Ost-Staaten bezeichnet werden. Heute sorgt sie in Indien vor allem durch Anschläge militanter Gruppen für Schlagzeilen, und im Ausland durch den außergewöhnlich starken Monsun, der sich 2007 unter anderem hier austobte. Erstere versuchen durch Sprengstoffanschläge unter anderem Unabhängigkeit von Indien oder Anerkennung als „scheduled tribe“ (aufgeslisteter Stamm) zu erlangen, oder eben diese Ziele zu verhindern.
Historisch hat Assam, wie der Rest Indiens, seine eigene uralte Geschichte. Man kann stolz behaupten, den Moguln länger, als alle anderen indischen Staaten, Stand gehalten zu haben.
Im Ausland kennt man Assam oder Axomia (sprich: Achomia), wie die Bewohner ihre Heimat nennen, vielleicht noch am besten wegen des Tees, der hier angebaut und in die ganze Welt exportiert wird.
Für mich ist es in erster Linie der Bundesstaat, in den mein Freund und Kommilitone Mriganka (sprich: Mriganko) mich zu sich nach Hause eingeladen hat und wo ich den Jahreswechsel verbringe.
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| Reismühle | posieren im Senffeld |
Der ganze Nord-Osten ist wirtschaftlich einiger Maßen rückständig und (vor allem, wegen der Gefahr durch militante Gruppen) nur wenig von Touristen befallen. Da ich mich einer Familie Einheimischer anvertrauen kann, besteht für mich jedoch keine Gefahr und ich habe dank Familienauto die größte Bewegungsfreiheit und Verbindungen, die man sich nur wünschen kann.
Erste Station: Shake hands
Man hat in der Nachbarschaft und überall schon Wochen vorher meine Ankunft verkündet und für viele ist das die erste Gelegenheit mal einen Weißen von nahem zu sehen und sich sogar mit ihm zu unterhalten. Ich mache das beste daraus und komme meinen Verpflichtungen aus dieser ungewollten Berühmtheit nach, indem ich gleichzeitig meine Small-Talk-Fähigkeiten übe. Von der indischen Bürokratie möchte ich zwar nicht schon wieder anfangen, es sollte aber am Rande erwähnt werden, dass, dank der Hilfe meiner Gastgeber, meine Registrierung bei den örtlichen Behörden weniger als zwei Stunden dauerte! Und das, obwohl ich ja immerhin acht Tage hier bleibe.
Insgesamt werden überall, wo man mich rumzeigt (oder auch rumzeigen muss) viele Fotos von mir geschossen. Ich bekomme auch ein paar der traditionellen, handgewebten Handtücher (Gamosa) geschenkt, die vielfältig einsetzbar sind, und mit denen sich die Männer bei Bihu, dem größten Fest Assams, schmücken. Wie meistens sind es auch hier die ärmeren, die die herzlicheren Gastgeber sind. Die Reichen und Einflussreichen wollen sich meist nur mit mir schücken und mache gute Mine zum bösen Spiel und unterhalte mich aus Höflichkeit mit ihnen.
Ich werde hier ungelogen wie ein Filmstar behandelt. Passanten starren auf der Straße, indische Touristen wollen, dass ich mit ihnen fürs Foto posiere, und egal wie wenig Englisch man kann, sucht man doch das Gespräch über die üblichen Belanglosigkeiten mit mir.
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| Ich mit Gamosa |
Und dabei habe ich noch den Vorteil, dass die Menschen hier zumindest im Fernsehen weiße Menschen schon mal gesehen haben. Auch wenn mich trotzdem einige für einen Geist halten, ist den meisten doch klar, dass es irgendwo Länder gibt, in denen die Leute alle so aussehen wie ich. Wie muss es dann erst Pionieren, wie Marco Polo ergangen sein? Vielleicht nicht mal besser. Schließlich wird hier und heute weiße Haut und helles Haar als überlegen und unerreichbares Schönheitsideal angesehen. Man darf nicht vergessen, dass diese Merkmale zwangsläufig mit Reichtum und Einfluss verbunden sind. Und wenn man sich überlegt, dass man selbst mit Harz IV in Indien der wohlhabenden Schicht angehören würde, ist das ja auch gar nicht so verkehrt.
Zweite Station: Sehenswürdigkeiten
An Bauwerken gibt es in Assam nicht zu viel zu sehen. Eine heiße Quelle, einen Tempel auf dem Hügel, einen unspektakulären Palast und ein Gebäude von dem aus man sich in früheren Zeiten Stierkämpfe angesehen hat. Ist natürlich spannender, wenn man die Geschichten dazu kennt. Aber aus dem Kopf kriege ich die wohl nicht mehr fehlerfrei hin.
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| Opfergaben | Lecker Mandarine | Deopahar (Gotteshügel) |
Dritte Station: Nationalpark
Wirklich berühmt ist in Assam aber auch noch der Kaziranga National Park, indem es Elefanten, Nashörner, Büffel, Rehe, Vögel und noch eine Menge anderer Tiere gibt. Da Mriganka einen Onkel hat, der dort unter anderem als Dokumentarfilmer arbeitet, bekommen wir erstklassige Unterkunft, Verpflegung und Safaris zum Spottpreis. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass Jeepsafari ein sehr langweilige Sache und Elefantensafari total super ist.
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| Unsere Unterkunft im Nationalpark | Hütte von Innen: westlicher Luxus | nicht im Bild: das Bad mit fließend Wasser und Sitztoilette |
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| Elefantenkarawane | Einhörnige Nashörner | Mriganka übt sich im Fischen |
Mindestens so interessant wie die Safaris, die wir gemacht haben, war der Kontakt mit den sogenannten „Tribals„. Die eigentlichen Ureinwohner Assams waren schon hier, als irgendwann die Arier sich breit machten und ihr Leben hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. Immernoch bauen sie an, was sie zum Leben brauchen und leben in einfachen Bambushütten. Neu sind nur Kleidung, Alkoholprobleme und einige Werkzeuge.
Anfangs habe ich mich nicht so recht getraut Fotos zu machen, die Kinder im Dorf waren aber alle hellauf von ihren Fotos in meiner Digicam begeistert, so dass ich dann doch ein paar mehr gemacht habe. Schade, dass Mriganka den Moment nicht aufnehmen konnte, als ich den Kleinen zum ersten mal ihre Bilder gezeigt habe. Die gleiche Reaktion, von der schon Malte aus Burkina Faso berichtet hat.
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| Tribals auf dem Weg zurück ins Dorf | Fischerleute | modern: Spinnrad aus Fahrrad |
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| Bitte lächeln! | Der weiße Magier zeigt die gerade gemachten Bilder | Bambushütten |
Ein interessantes Tiere ist mir auch noch nachts im Haus meiner Gastfamilie begegnet: die größte Spinne, die ich je in freier Wildbahn gesehen habe. Nach dem ersten Schock habe ich – wie immer eigentlich – zuerst an meine Leser gedacht und mir überlegt, wie ich das Monster am besten fotografieren könnte. Da es sich nur in Dunkelheit bewegte und ansonsten brav sitzen blieb, habe ich erst zaghaft, dann aber immer wagemutiger meine Hand neben es an die Wand gelegt und dann beides zusammen fotografiert.
Ein paar Stunden später brach dann die Spinne mein Vertrauen, indem sie ungeniert auch bei angeschaltetem Licht munter über Boden und Wände huschte. Da war es mir dann auch zu dumm und ich habe sie schließlich mit einer Zeitung aus dem Fenster befördert. Gruseliges Vieh!
Wer kann mir sagen, was das für eine Spinne ist?
Sehr berührt war ich am nächsten Tag noch von einem Besuch bei Mrigankas Nachbarn. Eine echte Künstlerfamilie, die nicht viel Geld haben, sich aber trotzdem alle (mehrere Generationen) hauptsächlich mit der Kunst befassen. Nachdem ich die zahllosen, sehr schönen Statuen und Bilder, die man mir zeigte, ausgiebig bewundert hatte, und wir mittels Übersetzer ein wenig geplaudert hatten, wurde ich spontan mit Geschenken überhäuft: Eine kleine Elefantenstatue aus Bambuswurzel, ein Gemälde auf Leinwand und eine Zeichnung durfte ich nicht ablehnen.
Besonders gerührt hat mich, als ich später von meiner Gastfamilie erfuhr, dass der alte Künstler, von dem ich die Elefantenstatue bekam, die mir so gut gefallen hatte, noch nie eines seiner Kunstwerke verkauft oder verschenkt hätte. Von seinen Werken wollte er sich auch nicht trennen als ihn ein einflussreicher assamesischer Politiker darum bat. Zudem meinte er auch, dass die Statue, die er mir schenkte, sein Lieblingsstück ist. Er sagte zu mir, dass er möchte, dass die Menschen in Deutschland seine Kunst auch sehen können.
Normaler Weise mag ich ja keine Stehrumsel, aber diesen kleinen Elefanten werde ich in Ehren halten.
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| mein Elefant | Gruppenfoto mit Künstlern |




die Sache mit dem weiss/schwarz beschäftigt mich inzwischen auch ziemlich stark und ich muss gestehen, dass ich es immer weniger verstehe, um so länger ich mich damit beschäftige…
anja
Wow, bei ner Familie in den Nordoststaaten, das ist ne ganz tolle Sache. Hab mich über diese Region damals mit einigen Leuten unterhalten, und hatte den Eindruck, dass sie den restlichen Indern nicht ganz geheuer ist und sie auch praktisch nichts darüber wissen. Ein junger Mann aus Assam, der in Delhi arbeit, hat mir erzählt, wie er in Südindien mal nach seinem Visum gefragt wurde, als er sagte, er sei aus Assam…
Super Fotos auch. Einer der Jungs ist doch weiß, oder??
Stimmt schon. Die allermeisten Leute, die ich hier getroffen habe, sind noch nie aus Assam rausgekommen. Assam ist allerdings immer noch näher am Rest von Indien, als zum Beispiel Nagaland, Manipur und Mizoram, die sich untereinander wohl ganz gut verstehen, aber mit den Assamesen nicht so viel anfangen können. Um in die letzten drei Staaten einreisen zu können brauchen selbst Inder eine spezielle Genehmigung. Das könnte die Reaktion des Südinders erklären. Für Assam brauch man sie aber zum Glück nicht, denn das wäre für mich zu kurzfristig geworden.
Als ich den Jungen, den du meinst gesehen hatte, dachte ich zuerst er hätte irgendeine Krankheit (manche Leprageschädigten könnte man ja schließlich auch für Europäer halten). Da er aber zu seiner blassen Haut auch noch rote Haare hat, halte ich es für wahrscheinlicher, dass sein Vater weißer ist.
Hat mich an Khajuraho erinnert, wo ein boy in meinem Hotel meinte, wenn ich sex mit einer Inderin haben wolle, könne er mir weiterhelfen. Es gäbe viele arme Bauernfamilien in der Umgebung, die Geld bräuchten. Widerliches Schwein!