Dieser Beitrag ist nicht geeignet, für Personen, die Indien vorbehaltlos zu lieben glauben und keine Kritik dulden. Ebensowenig sollten Sie diesen Beitrag lesen, wenn Sie indischer Abstammung sind und es nicht ertragen können, wenn ein Ausländer mal kein Blatt vor den Mund nimmt und auf alles schimpft, dass er an Indien nicht mag.
Warum ist Indien so unendlich nervig?
Selbst in Metropolen mit Einwohnerzahl im zweistelligen Millionenbereich, kann man Parks und Grünflächen an einer Hand abzählen. Sich einfach nur irgendwo hinsetzen und verschnaufen wird damit praktisch unmöglich.
Sich einfach auf eine beliebige Kante am Wegesrand zu hocken bedeutet in Indien meistens, sich in Spucke, Rotze, menschlichen Kot oder Urin zu setzen.
Auch sich auf den umzäunten Bereich einer Sehenswürdigkeit zurückzuziehen ist nicht zufriedenstellend, da oft genug Öffnungszeiten und Ruhetage das ihre dazu beitragen, auch hier einen Strich durch die Rechnung zu machen. Sofern man nicht als indischer Staatsbürger durchkommt, ist es zudem noch selbt für europäische unverschämt teuer.
Wir finden also nur in Barrista oder Café Coffee Day unterschlupf, wo wir auch nicht den ganzen Tag verbringen wollen. Wir versuchen es also mit Schlendern.
Allein die Idee ist lachhaft! Weiße Hautfarbe zieht alle Arten von Halsabschneidern an. Manche versuchen einen in ein Geschäft zu locken, andere tragen ihr Geschäft direkt am Körper, wieder andere stimmen ohne weiteres zu, einen für 60 Rs zum Buckingham Palace zu fahren.
Menschen, die mir eine Sonnenbrille verkaufen wollen, obwohl der zornige Blick, mit denen ich ihre Augen fixiere, offensichtlich von einer Sehhilfe umrahmt wird, weren von mir ihn ihrer eigenen Landessprache als Dummköpfe bezeichnet.
Lässt man sich nicht dazu herab all diesen Störenfrieden derart unmisverständlich und nachdrücklich zu vermitteln, dass ihre Gegenwart unerwünscht ist, dass diese den Kopf einziehen und davonlaufen, dann ist es mit der Ruhe aus.
Auf meiner vierwöchigen Reise ist mir übrigens klar geworden, dass ich nicht so stark bin, um mich nicht ab und zu auf dieses Niveau hinab zu begeben.
Zu all diesen Faktoren kommt noch der ständige Lärm hupender Autos, der Gestank von Verkehr und Fäkalien und zu allerletzt sogar manchmal das Wetter.
Ruhe und Frieden – Fremdwörter für die es wahrscheinlich in keiner der dutzenden indischen Sprachen eine Entsprechung gibt – findet man wohl am ehesten in den eigenen vier Wänden. Wenn man sich da mal nicht wie ein Gefangener fühlen muss.
Indien geht auf die Nerven!
PS: Für Gegendarstellungen bin ich dankbar!
PPS: Weitere Motz-Themen wären: Indisches Umweltbewusstsein, Hygiene und Rassismus
PPPS: Ein Erklärungsversuch, warum Inder als rücksichtslose Rüpel erscheinen ist folgender:
Wenn man so eng aufeinander lebt, wie die Inder, also engsten Raum mit dem Maximum anderer teilen muss, dann muss man entweder übermäßig rücksichtsvoll werden oder aber abstumpfen. Letzteres ist in Indien der Fall. Dass sich mal jemand über Lärm beschweren würde kommt einfach nicht vor. Und da ist es egal, ob es das hostel einer Eliteuniversität ist, wo sich ein Bewohner dazu entscheidet um zwei Uhr nachts doch noch seine Lieblingsmusik in voller Lautstärke aufzudrehen oder die Straße wo das Hupen nicht immer einen Zweck erfüllt. Dann ruft man halt im Kino während des Films mal seine Freunde an und erzählt ihnen, was auf der Leinwand so passiert. Man ist da als Westler einfach überempfindlich.
Abgesehen davon wird Müll einfach dort fallen gelassen, wo er entsteht, so dass alle Arten von Grünflächen schnell den Müllhalden ähneln, die man praktisch überall hat.
Dass Popel in der Nase schwarz wird, wegen der ganzen Abgase überall, sollte einem zu denken geben, was man da eigentlich atmet.
Boah, wird hier aber gemotzt! Ich hoffe sehr, dass hier nochmal jemand eine gegenläufige Antwort postet.
Hei Paul,
ich würde schon gern eine gegenläufige Antwort posten, aber ich weiß nicht, ob das bei deinem gegenwärtigen emotionalen Zustand (wie er im Blog rüberkommt) überhaupt was bringt
Nix für ungut – ich hatte auch ein, zwei Mal den Indienkoller, als ich dort war. Jetzt will ich wieder unbedingt hin und find’s ganz toll – „the grass is always greener on the other side“.
Ganz kurz zu den zwei Dingen, die mich am meisten gestört haben. Die Preise für Foreigners sind keineswegs teuer, das ist einfach objektiv so, wie man an einem kurzen Vergleich mit in Europa üblichen Eintrittsgeldern sieht. Das gilt auch für’s Taj – das kostet nunmal auch eine Menge Geld, und ist halt unheimlich beliebt. Für den Eintrittspreis kommst du in Italien vielleicht in eine drittklassige Ausgrabungsstätte in der Pampa.
Und dass man als Weißer ständig nur belästigt wird, stimmt nur in ganz bestimmten touristischen Bereichen, aber in 99,5% des Landes nicht. Auch in Delhi, wo ich ja ein paar Monate war, sind es nur Connaught Place, Paharganj (Main Bazaar), und die zentralen Teile von Old Delhi. Und da ist es ja auch zu erwarten – vergiss nicht, wie viele Leute in Indien um’s Überleben kämpfen. (In dieser Hinsicht finde ich es auch armselig, Stolz darauf zu sein, die 10INR = 18 Eurocent Gepäckgebühr nicht bezahlt zu haben.) Überall sonst wurde ich nie auch nur angesprochen, außer von neugierigen jungen Leuten. Falls du mal wieder nach Delhi kommst, geh mal Schlendern im Hauz Khas Village. Wunderschöne alte Ruinen in einer ebenso schönen Parkanlage, dazu nette kleine Geschäfte.
Viele Grüße,
Thomas
Stimmt schon. Der Beitrag ist noch in Delhi entstanden. Wenn man rumreist und sich dann quasi nur auf den vorgefertigten Touristenbahnen bewegt, dann sieht man nur eine Seite von Indien. Hier in Kolkata werde ich praktisch nie belästigt, sondern, wenn überhaupt, dann habe ich sehr positive Begegnungen mit Menschen, die auf eine sehr positive Art neugierig sind.
Ich bin trotzdem stolz darauf mich nicht verarschen zu lassen. Wenn mich der Taxifahrer auf direktem Wege dahin bringt, wo ich hin will und mich beim Kassieren nicht verarscht, dann kriegt er ja auch jedes mal Trinkgeld von mir. Der Ton macht die Musik und Abzocke wird von mir aus Prinzip nicht unterstützt.
Ansonsten sind die Eintrittspreise zumindest im Vergleich zu Deutschland durchaus teurer, zumal es ja auch keinen Rabatt für Studenten gibt. Das irgendjemand die Erhaltung dieser Gebäude bezahlen muss und die Inder das nicht selbst können ist natürlich klar.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich froh bin hier zu studieren. Wenn man nur als Tourist nach Indien kommt lernt man leider eine Seite des Landes kennen, auf die ich gut verzichten kann. Ansonsten kann es einfach unglaublich spannend sein.
Das mit dem Dreck, Lärm und Gestank bleibt dann aber trotzdem.
LG und vielen Dank für deinen Beitrag!
Paul
ah, das klingt nach einem befreienden beitrag….vielleicht sollte ich sowas auch mal versuchen
denn gerade in den letzten tagen war ich ebenfalls zunehmend genervt.
allerdings würde sich mein beitrag noch um einen ausführlichen abschnitt zum thema „verhalten hormonell geschädigter menschen SPRICH indischer männer“ erweitern…grrrr…die nerven mich wirklich furchtbar.
jaja ein schmler grad zwischen „überempfindlich“ und abgestumpft“
lg aus mumbai
anja
PS: paul, pina bausch ist diese woche in kolkatta, war vorher hier in mumbai. goethe institut hilft mit. wenn du zeit hast: unbedingt hingucken! infos auf der goethe seite
Paul, Du sprichst mir aus der SEELE!
Nach sechs Wochen Indien (Delhi, Pondycherry, Cochin, Kumily)
haben mich der ALLGEGENWÄRTIGE Dreck und Lärm echt angekotzt.
Warum checken die nicht, dass Sauberkeit und Müllentsorgung einfach sein müssen, um ein klitzekleines Bisschen an Lebensqualität zu bekommen?
Habe mich oftmals so geekelt, dass ich meine Flipflops im Koffer gelassen habe und stattdessen meine Docs angezogen habe…auch wenns heiß war.
Sorry, aber trotz vielen wunderschönen Eindrücken kann ich Indien nicht durch eine rosarote Brille sehen wie viele hier…..
Dreck, Lärm, Gestank und Smog sind einfach fürn A….