Nach beinahe zwölfstündiger Busfahrt kommen wir um 04:15 Uhr morgens in Amritsar an. Zwei Auswirkungen der Kamelsafari lassen mich leiden: Zum einen scheint wohl Sand in die Kamera geraten zu sein. Kleinste Körnchen scheinen von innen am Display zu haften, zum anderen habe ich mir regelrecht den Hintern wund gerieben. Das ist schlecht, wenn man innerhalb von 24 Stunden 18 Stunden im Bus sitzt und auch sonst permanent einen Rucksack tragen muss.
Wir versuchen zuerst ein geöffnetes Café zu finden, warten dann eine weile im 1. Klasse Warteraum am Bahnhof und beschließen dann auf dem Gelände des Golden Temple auf den Sonnenaufgang zu warten. Vor dem Betreten besagten Warteraumes müssen Inder übrigens ihr Ticket vorzeigen. Reiche Weiße dürfen aber auch so rein. Solchen sich selbst auferlegten Rassismus findet man in Indien überall.
Der Goldene Tempel ist das zentrale Heiligtum der Sikhs. Die männlichen Anhänger dieser Religion schneiden ihre Haare nicht. Stattdessen werden sie im Turban eng um den Kopf gewickelt. Das soll so ein natürlicher Helm sein. Sikhs sind dafür bekannt, hart zu arbeiten, sehr ehrlich und stark zu sein. Außerdem dient ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Sikhs in der Indischen Armee, da sie ihre Religion wohl auch als Kämpferreligion betrachten.
Vor der Initiation, die den Männern erlaubt einen richtigen Turban zu tragen, bedecken sie ihr Haupt mit einem Tuch, indem die Haare einen Knubbel über der Stirn bilden. Sieht ein wenig aus wie ein Dutt. Interessanter Brauch, finde ich.
Auf dem Gelände der Tempels haben wir uns übrigens mit zwei Sikhs unterhalten, die sich in Stuttgart selbstständig gemacht haben. Inder mit schwäbischen Akzent. Klingt lustig
Im Tempel an sich ist Fotographieren zum Glück verboten, sonst wäre ich da wohl nie wieder rausgekommen. Wirklich schön! Die friedliche Atmosphäre, die vielen Ehrenamtlichen, die mystischen Klänge, die den ganzen Platz erfüllen, all das hat mich an Taizé erinnert.
Im Tempelkomplex kann man auch in Gemeinschaftquartieren kostenlos schlafen. Essen für “all class of people” (= Menschen aller Klassen) wird kostenlos ausgegeben.
Abends gehen wir dann noch nach Attari (leider mit zwei “t”). Dort werden jeden Abend, mit viel Getöse, an der indisch-pakistanischen Grenze die Flaggen eingeholt. Viel Imponiergehabe, viel nationalistes Gegröle und ein aufsteh-hinsetz-Verhalten im Publikum, dass an die Reise nach Jerusalem erinnert. Ich bin froh, dass es das in Deutschland nicht gibt.
Marieke zu Amritsar:
http://mariekesteini.wobistdujetzt.com/index.php?intMessageId=159303
So ist es mir ein Vergnuegen von diesem wunderbaren Ort zu lesen. Auch ich war dort, nicht lange her. Und mir hat es gefallen sehr…
Lg Dinaines