Heute Morgen gegen sieben Uhr in Udaipur angekommen. Das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Letzte Nacht stieg ich, we geplant, gegen 2 Uhr in meinen “superfast express” ein, nachdem die Gleisänderung nur auf Hindi ausgerufen worden war. Ich bin froh, dass ich zumindest schon die Zahlen von Null bis 30 beherrsche.
In meinem Abteil dann die Überraschung: Meine Koje ist besetzt. Naja, vielleicht wird das mit den Nummern hier nicht ganz so ernst genommen, denke ich mir und beziehe eine andere Pritsche.
Kaum dass ich mich eingerichtet habe und zur Ruhe gekommen bin, werde ich von einer indischen Familie gebeten, das Feld zu räumen. Es gibt etwas Verwirrung wegen der Nummern und letztlich stellt sich heraus, das mein Zug bereits gestern abgefahren ist. Shit! Der ganze Zug – alle Klassen – gnadenlos ausgebucht. Panisch laufe ich von einem Abteilschaffner zum nächsten, um vielleicht doch noch ein Plätzchen erhaschen zu können.
Den letzten bitte ich dann inbrünstig, mich auf dem Boden schlafen zu lassen. Der fasst sich ein Herz, lässt mich zuzüglich des Ticketpreises noch 250 Rs (5 €) Strafgebühr zahlen, weil ich ja kein gültiges Ticket hatte, als ich den noch im Bahnhof stehenden Zug, betreten habe. Ich lege mich also frierend zwischen zwei dreistöckige Pritschenreihen, in der Hoffnung, nicht von den Mitreisenden, bei deren Toilettengang, zertrampelt zu werden. Ca. drei Stunden später wird eine Pritsche frei, als die ersten aussteigen, und ich kann für weitere zwei Stunden – nun weniger frierend – auf einer Matte schlafen.
Ich bin dankbar für diese wertvolle Lektion in Sachen Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Außerdem habe ich gelernt, dass hier tatsächlich alles möglich ist.
In der Stadt Udaipur habe ich mich jetzt übrigens gegen ein Schlafsaalbett für 100 Rs (ca. 1,90 €) und für ein herrlich dekoriertes Zimmer mit eigenem Bad (warmes Wasser) und Balkon, für 150 Rs (ca. 2,90 €) entschieden. Auf den ersten Blick erscheint mir Udaipur als eine saubere ruhige und insgesamt relativ angenehme Stadt.
mein Zimmer
Einige Szenen aus James Bond: Octopussy wurden hier gedreht, und der Film wird sogut wie überall täglich vorgeführt. Dazu fällt mir spontan nur das Zitat von Homer Simpson ein: “Weißt du, was ich an euch Engländern mag? Octopussy. Den Film habe ich bestimmt… zwei mal gesehen.”