Habe mich heute Morgen um 5:20 Uhr aus dem Bett gequält um eine Bootstour bei Sonnenaufgang zu erleben. Leider zehn Minuten zu spät, um in absoluter Dunkelheit zu beginnen.
Langsam glitten wir an den Ghats vorbei, an denen die Hindus ihrem Morgengebet (meist durch Opfergaben an den Fluss und rituellen Waschungen) nachgingen.
Der Friede der morgentlichen Stille wurde nur durch das scheppernde Geräusch wiederholter Gongschläge und das „Hare-Krishna“ einiger Lautsprecher gestört.
Zurück im Hotel überkam mich dann doch die Müdigkeit und ich legte mich noch einmal für eine Stunde aufs Ohr, aus der dann doch noch drei werden sollten.
Um zehn Uhr also gings wieder in die Stadt. Die Sonne brennt gnadenlos auf die Ghats herunter, und ich verziehe mich in den Schutz der engen Gassen der Altstadt.
Den Rest des Tages verbringe ich dann damit vor Händlern, Bootsführern und anderen „guten Freunden“ wegzulaufen.
Ein Blick auf den goldenen Tempel, der von einem Aufgebot von indischen Soldaten geschützt wird, um die benachbarte Moschee vor radikalen Hindus zu schützen.
Der Tempel ist von außen jedoch nicht spektakulär und als Ungläubiger darf ich nicht hinein. Zwar erzählt mir der nette Mann, der mir später noch ein paar Postkarten aufschwatzt, wie ich trotzdem hinein käme, aber auf Scherereien mit der indischen Armee habe ich gerade keine Lust.
Durch Zufall entdecke ich zum Mittagessen, inmitten der geschäftigsten Straße den Eingang zu einer Oase der Stille. Dort lasse ich mir mein Moussakka schmecken und dehne meinen Aufenthalt, in diesem kleinen grünen Innenhofparadies, mit einem Mango-Lassi.
Büffelbad im Ganges
Abends dann entfällt das Konzert traditionell indischer Musik dann, weil das Abendessen nicht rechtzeitig wird (Wie lange kann man eigentlich für vegetarische Penne brauchen?). Der Verdacht liegt nahe, dass die Besitzer des Hotels, die offensichtlich ein Auge auf die Kanadierinnen geworfen haben, diese nicht mit mir alleine gehen lassen wollen. Die beiden Mädels haben übrigens erst heute (nach zwei Tagen) herausgefunden, dass sie nicht in ihrem Lonely-Planet-Hotel sind. Ich tröste sie damit, dass doch alles so sei, wie im Reiseführer beschrieben. Das tröstet sie wenig über die Tatsache hinweg, dass sie ihre Reisebekanntschaft nicht mehr wiedersahen, mit der sie sich in besagtem Hotel verabredet hatten. Erinnert mich irgendwie an meine Ankunft in Kolkata.
Am Nachmittag, erschöpft auf dem Rückweg zum Hotel, beschließe ich völlig entnervt, alle Inder, die mich bequatschen wollen, noch bevor sie den Mund aufmachen können, nach Name, Herkunft, Familie zu befragen, um ihnen anschließend eine Bootstour anzubieten.
Die Dächer von Varanasi: Ein Kind lässt seinen Drachen steigen
Meine reservierte und misstrauische Einstellung trifft leider auch einen, der sich wirklich nur nett unterhalten will. Co-Lateralschaden…
Morgen geht’s nach Khajuraho, wo es angeblich sogar nochmehr Menschen geben soll, die mir immer unhöflichere „no“s entlocken. Dafür gibt es dort allerdings einige wunderschöne Tempel mit obszönen Steinfiguren, die mehr oder weniger das ganze Kamasutra abbilden.
Sonnenuntergang
PS: Mir fällt gerade auf, dass die beiden Kanadierinnen die ersten Westler sind, mit denen ich mit seit drei Monaten unterhalten habe.
[...] mies gelaunt. Hinzu kommen jetzt auch noch die dreistesten Nepper und Schlepper, die mir nach Varanasi zu Gesicht gekommen sind. Wahrscheinlich sind sie sogar noch schlimmer. Nicht am Bauwerk [...]