Wo wohnst du eigentlich? Wie ist das Leben im Hostel?
Meine Uni liegt wohl in dem angenehmsten Stadtteil Kolkatas. Ein auf dem Reisbrett geplantes brandneues Viertel für die, die es sich leisten können. Ganz am Rand davon liegt mein Campus. Dieser besteht aus dem Universitätsgebäude selbst und je einem Wohnblock für Jungs und Mädels. Sieht von außen alles ganz schick aus. Von innen ist zumindest das boys-hostel einigermaßen schäbig und hat, wie von mir schon in meinem ersten Beitrag aus Indien beschrieben, Ähnlichkeit mit einer Jusitzvollzugsanstalt.
Die Hostel haben sechs Stockwerke und bestehen aus Einzel- und Doppelzimmer. Pro Stockwerk teilen sich die Hostelbewohner ein Bad. Sprich sechs Duschkabinen, sechs Toiletten (eine davon indienstyle) und vier Waschbecken. Die Duschen geben – solange die Wasserversorgung nicht zusammenbricht – fließend kaltes Wasser. Warmes Wasser kann aber mittels Eimer und Krug dem Wasserboiler entnommen werden. Insgesamt bin ich mit dem Bad ganz zu frieden. Hätte ich mir schlimmer vorgestellt.
Im Erdgeschoss des boys-hostels befindet sich ein Raum mit Tischtennisplatte und Carrom-Brett und die Küche und ein Speisesaal der Mensa (genannt: mess). In der Küche kann man übrigens ein und ausgehen wie man will und an der Hygiene in der Küche kamen mir nicht erst Zweifel, als ich im Lagerraum einer Kakerlake begegnete und im Reisbeutel Ameisen wuseln sah. Auch die Maus, die sich meinen neugierigen Blicken hinter einem Kartoffelsack entziehen wollte bestärkte mein Vertrauen in das Essen nicht wirklich.
Das Erdgeschoss des girls-hostels beherbergt einen Proberaum für Bands (inklusive stationärem Schlagzeug) und den kleineren Speisesaal, in dem vegetarisches Essen ausgegeben wird.
Das Leben im Hostel ist hingegen ganz angenehm, vorausgesetzt man gewöhnt sich an den Lärm. Generell wird viel zusammen rumgehangen und gequatscht. Gerne wird auch der Rest des Flurs mit Musik versorgt [Link: wie treibe ich meine Kommilitonen in den Wahnsinn] und man trifft sich des öfteren um Filme auf dem Laptop anzugucken. Inder scheinen es nicht gewohnt zu sein allein zu sein.
Zu Beginn hatte ich Probleme nachts Schlaf zu finden, da die Straßenköter vor meinem Fenster (wie eigentlich überall) einen heiden Lärm veranstalten, wenn sie sich gegenseitig in Streifen reißen. Auch die nächtlichen Schreie, von wenig aufmerksamen Kommilitonen, auf dem Flur, taten ihr Übriges.
Mittlerweile sind diese ganzen Geräusche entweder weniger geworden, oder ich habe mich daran gewöhnt. Wär ja praktisch.
Negativ am Leben im Hostel ist, dass die Studenten um zehn Uhr abends wieder daheim sein müssen. Dann wird das Gitter am Eingang abgeschlossen. Wird diesem Gebot nicht nachgekommen darf sich der betreffende Student in einem Buch verewigen und die Konsequenzen abwarten, die wiederholte Eintragungen haben. Nützt allerdings nicht allzuviel, da die Wächter, die die ganze Prozedur überwachen nicht lesen können. Wenn man sich mit Hindi-Filmen auskennt kann es lustig sein das Buch zu studieren und zu lesen, dass z.B. Shahrukh Khan gestern wiedermal zu spät von einer Party ins Hostel kam, weil er im Stau stecken blieb.
Dumm nur, dass mein Name so kurz ist und die Wächter zumindest nicht so blöd sind, zu übersehen, wenn ich einen anderen Namen benutze. Andererseits: wen interessierts? Die Disziplinarmaßnahme möchte ich sehen, die die mir geben ![]()
Eine andere Möglichkeit ist auch das Regenrohr auf der Rückseite des Hostels hochzuklettern. Das erfordert allerdings sportliches Talent. Ich habe diesen Weg bisher nur nach draußen genommen (aus Rücksicht auf meine Kommilitonen versteht sich; ich hätte kein Problem damit dem Wächter zu sagen, er soll mir das Tor aufschließen, und um drei Uhr Nachts abzuhauen).
Erinnert irgendwie an offenen Vollzug, nicht war?
Muss ich eigentlich erwähnen, dass es Jungs verboten ist die oberen Etagen des girls-hostels zu betreten und andersherum? Selbstverständlich sind auch Alkohol und Zigaretten verboten. Was zum Glück nur bedeutet, dass das Trinken und Rauchen auf die Zimmer beschränkt ist.
Insgesamt fühlt man sich hier im Hostel doch um einige Jahre jünger. Und irgendwie hat es ja auch seinen Reiz Regeln zu übertreten