Der widerwillige Gedanke an die anstehenden Vorbereitungen haben mich mal wieder viel zu lange ans Bett gefesselt, so dass ich erst gegen halb zwei den Campus – immer noch durch fast knietiefes Wasser watend – verlies. Erstes Ziel: Geldautomat. Der ist zum Glück ca. drei Kilometer entfernt, so dass ich Unterwegs meine Kommilitonin Tanya traf und Gesellschaft und „continental food“ (europäisches Essen) bei Subways bekam.
Nachdem ich meine neue Geheimtasche (siehe Beitrag gestern) mit Geld gefüllt hatte ging es dann auch Richtung Flug-Ticket-Verkaufsstelle.
Die Fluggesellschaft, mit der ich fliegen werde, wird von der indischen Regierung geleitet. Das bedeutet, zumindest für den Ticket-Kauf, langes Warten.
Der ältere Herr, der sich meiner annahm, brauchte fast eine Stunde um drei Tickets zu buchen, zu denen ich ihm von Anfang an alle benötigten Daten auf einem Zettel überlassen hatte. Interessant: Er tat dies ausschließlich unter Verwendung von Telefon, Kugelschreiber und Stempel. Ich frage mich, ob es vor dreißig Jahren in Deutschland auch so ausgesehen hat.
Gebucht habe ich Flüge von Varanasi nach Khajuraho, von Khajuraho nach Delhi und von Delhi nach Kolkata. Jeder kostet ungefähr 3000 Rs, so dass ich für diese drei Flüge umgerechnet nicht viel weniger als 200 Euro ausgegeben habe.
Mancheiner wird den Kopfschütteln und sagen, dass ich doch nichts von Indien sehe, wenn ich darüber hinwegfliege. Ich denke allerdings, dass vier Wochen schon knapp genug sind, um sich einige ausgewählte Orte direkt – und nicht hinter einer Glasscheibe – anzuschauen. Zum Zugfahren werde ich außerdem noch genug Zeit haben.
Weiter ging es jedenfalls zu „city center“, dem Einkaufszentrum in Salt Lake. Nachdem ich die Verkäufer eine halbe Stunde lang terrorisierte, verließ ich als Besitzer eines MP3-Players und eines Netzadapters das Geschäft. Man möge mir verzeihen, aber vier Wochen ohne meine Musik würden mich definitiv umbringen! Kostenpunkt 3000 Rs.
Den Treckingrucksack, den ich in city-center fand habe ich nicht gekauft, weil er mich nicht wirklich überzeugt hat. Morgen werde ich nach Ultadanga (Stadtteil in der nähe) fahren und dort entweder einen sehr billigen Rucksack für 1500 Rs kaufen (wirklich schlechte Qualität) oder einen ziemlich guten für 3000 Rs. Der Grund warum ich mir unsicher bin ist ganz einfach der, dass ich nicht ganz sicher bin, ob der billige Rucksack die Reise überstehen wird und ich auf der anderen Seite nicht schon mein ganzes Reisebudget vor Reiseantritt ausgegeben möchte.
Was ist noch zu tun? Nun, ich brauche eine Hotelreservierung für Varanasi und Khajuraho. Dann sollte ich auch endlich herausfinden, wo und wie ich den größten Teil meiner Reise in Rajasthan verbringe. Dann muss ich noch, für die Zeit meiner Reise, einen sicheren Platz für meinen Laptop finden. Ich werde dazu den Rektor meiner Uni bitten, das Gerät für mich zu verwahren. Er hat mir immer seine Hilfe angeboten und rechne damit, dass er mir auch hier weiterhelfen wird.
Ich bin zwar ziemlich nervös, wenn ich an meine Reise denke – insbesondere, weil meine Kommilitonen immer wieder verdutzt fragen, ob ich denn wirklich alleine reise und dann mir viel Glück wünschen – aber wie Thomas und andere schon sagten: entspannen und Reise genießen. Sich bloß nicht nervös machen lassen.
Nebenbei: Montag und Dienstag waren die größten Überschwemmungen, die ich hier bisher erlebt habe. Vier Tage hat es quasi am Stück geregnet und den Weg von um zum Schneider hätte ich am besten mit einem Schlauchbot zurücklegen können. Auf dem Rückweg habe ich mir bedauerlicher Weise den Fuß angeschlagen. Ist zwar an sich nicht der Rede wert, aber in anbetracht des dreckigen Wassers, durch dass ich dauernd stapfen muss, ist mir nicht ganz wohl dabei eine offene Wunde am Fuß zu haben. Das erste was ich tue wenn ich das hostel erreiche ist jedenfalls Waschen und desinfizieren.
Ich hoffe euch erheitert der Gedanke (und die Bilder?) von den Überschwemmten Straßen. Ich kann mittlerweile nicht mehr so ganz darüber lachen.