Seit meinem Fieber vor ca. drei Wochen produziert mein Körper mehr gelbe Farbe als notwendig, was auf einen Erhöhten Wert an inaktivem Bilderubin zurückzuführen sein könnte. Nachdem ich gestern also mit einer leipziger Medizinstudentin gechattet habe (Hallo Anna!), entschloss ich mich spontan der Sache nochmal nachzugehen.
Vor allem wenn ich nachts im dunkeln in meinem Bett liege überkommen mich immer Horrorgedanken an Krankheiten, wie Hepatitis, Chikun Gunya und was man sich nicht sonst noch so alles in Indien einfangen kann. Mayank, mein Flurnachbar nennt mich mittlerweile seinen „kleinen Hypochonda“. Wahrscheinlich hat er Recht.
Insgesamt können es meine Kommilitonen ja überhaupt nicht verstehen, wie die blöden Westler dauernd so tun müssen, als ob man sich in Indien irgendwelche schwerwiegenden bis tödlichen Krankheiten einfangen könnte (siehe: „Ich bin 18 und bin in meinem Leben noch nicht einmal beim Arzt gewesen.“). Auf der anderen Seite erzählen sie mir so ganz nebenbei dass in meinem Stadtteil zur Zeit einige Fälle einer „killer disease“ (einer tödlichen Krankheit) aufgetreten sind, die durch Mückenstiche übertragen wird. Zum einen wird einem erzählt, das Essen in diesem „take-away“ sei sicher; wenn man dann erzählt, dass man zur Zeit auf Hepatitis oder ähnlichem untersucht wird, wird einem dringend abgeraten Essen in besagten Lokalitäten einzunehmen.
Mir fällt dazu nur ein, dass es genug Menschen in armen afrikanischen Ländern gibt, die in ihrem Leben noch keinen Arzt aufgesucht haben. Das heißt nicht, dass es dort keine tödlichen Krankheiten gibt oder dass dort niemand ernsthaft Schaden nimmt. Fakt ist, dass meine Kommilitonen ausnahmslos mindestens achtzehn Jahre Zeit hatten sich auf Anschläge auf ihre Gesundheit einzustellen, während ich die volle Bandbreite in wenigen Wochen und Monaten abbekommen kann.
Es gibt in meinem Stadtteil eine Zweigstelle des besten und teuersten Krankenhauses Kolkatas. Für mich mit meiner teuren Auslandskrankenversicherung genau das richtige! Sauber, hell und insgesamt einladender als das meiste, was ich an deutschen Arztpraxen erlebt habe, ist auch meine paranoide Angst vor der indischen Medizinversorgung zurückgegangen. Das einzige Problem mit der Apollo-Clinic ist, dass dort die metaphorische eine Hand nicht weiß, was die andere macht. Sprich, man meldet sich zum Gespräch mit dem Doktor an (der ist genauso interessiert an dem Problem seines Patienten, wie in Deutschland; nämlich gar nicht), der einem dann lieblos ein Rezept für Medizin und eine Beschäftigungstherapie für die ganzen Diagnoseapparat der Institution verschreibt. Insgesamt kann Medizin ja nicht schaden. Gut geraten ist halb geheilt und gegen Nebenwirkungen könnte ich später bestimmt noch andere Medikamente bekommen.
Bemerkenswert ist jedoch, dass die Ärzte alles, was ihnen so in den Sinn kommt, jede Erkenntnis, jeder Gedanke, in geometrischen Formen niederschreben und bei jedem erklärenden Wort ihrem wirren Kunstwerk noch Untersteichungen, Punkte, Kringel und was-nicht-alles hinzufügen.
Mit diesem Kunstwerk meldet man sich jedenfalls wieder an einer anderen Rezeption. Die schickt einen dann erst auf die Wartebank und anschließend in ein Zimmer. Der Mensch, der einem dann Blut abnimmt hat natürlich keine Ahnung warum er das jetzt macht und erklärt nur, man solle noch fünf Minuten mit angewinkeltem Arm warten und könne danach gehen. In der Annahme, der gute Mann wisse schon, was er da sagt, verpasst man somit alle anderen Tests, die der Arzt verschrieben hat. Von denen hat man nämlich, genausowenig wie der Blutabnehmer, etwas mitbekommen. Ganz zu schweigen von den Versuchen, ohne absolviertes Kunststudium, aus den Zeichnungen des Doktors schlau zu werden.
So kommt man dann Abends wieder, um seine Testergebnisse in Empfang zu nehmen, und wird gebeten morgen nochmal zu kommen. Ich gewöhne mich schonmal an den Gedanken den Rest meines Aufenthaltes in Kolkata jeden Morgen in die Apollo-Praxis zu fahren und anschließend im „City Center“ zu frühstücken.
Ich könnte ja auch dorthin joggen.
Fazit: Im Gegensatz zu Deutschland muss man in Indien ständig mitdenken. Entweder die kontrahierende Partei verrafft alles oder sie versucht einen übers Ohr zu hauen.
PS: Nicht das hier ein falscher Verdacht aufkommt: Ich halte immer noch nicht viel von deutschen Ärzten. Aber zumindest die Organisation der Praxen und Kliniken ist besser.
Schmunzel…..
ein indischer Arzt ist sicher, dass er dich gut behandelt, wenn du mindestens die Höchstdosis aller in Deutschland verbotenen Antibiotika zu dir nimmst.
Take care!