Zu dem was man sich wohl am wenigsten wünscht gehört wohl auch, in der Fremde krank zu werden. Noch mehr: in Indien krank zu werden. Das Fieberthermometer, dass mir ein Kommilitone heute geliehen hat zeigte 38,4 °Celsius und gestern war es zumindest gefühlt drei Grad mehr. Außerdem war ich letzte Woche mit Fieber und Bauchschmerzen schon zwei Tage außer Gefecht gesetzt.
Einige Kommilitonen meinen ja, es sei unnötig jemals einen Arzt aufzusuchen („Ich habe sämtliche 18 Jahre meines Lebens ohne Arzt überlebt“). Diese Einstellung teile ich zumindest für Deutschland.
Andere meinen es könne nicht schaden. Nachdem ich mir nochmal die bunten Zettel vom Tropeninstitut angeschaut habe teile ich diese Meinung. Auf den Vorschlag, einen Arzt in Beleghata aufzusuchen – eines der ärmsten und schäbigsten Viertel der Stadt, direkt gegenüber von meinem Viertel – überkommt mich ein eisiger Schauer.
Ich höre von einem University-doctor, der auch wieder verschiedenen Angaben zu folge entweder ganz in Ordnung oder völlig unfähig ist. Der kommt dann auch abends und ich suche ihn auf. Kompetenz kann ich nicht beurteilen, da ich in Deutschland nie zum Arzt gehe. Er erklärt mir aber wieder und wieder, dass er mich zuerst untersucht, bevor er mir etwas verschreibt, weil das in meinem Heimatland ja so gemacht würde. Als Gast müsste er mich entsprechend den Gepflogenheiten meiner Heimat behandeln. Normaler Weise verschreibt der Arzt nämlich nur die Medikamente, die man auf gut Glück mal einnimmt. Schadet ja nichts.
Die Untersuchungen, die er macht finde ich auch einigermaßen vernünftig, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass man durch das T-Shirt mit dem Stetoskop mehr hören könnte, wenn man es wengstens eine halbe Sekunde ruhen lassen würde, anstatt hektisch zu versuchen damit alle Punkte des Körpers gleichzeitig zu berühren. Der Mann schreibt mir einen ganzen Zettel voll mit Namen von Medikamenten, die nicht schaden können, wiederholt bis zum Erbrechen, ich solle achtgeben auf Temperatur, Urin und hmm… was war das dritte nochmal? Egal, ich beschließe morgen zum teuersten Arzt zu gehen, den ich finden kann und dort eine Stuhl- und Blutuntersuchung machen zu lassen.
Wär ja auch schade, wenn die Reisekrankenversicherung gar nichts von meiner Reise mitbekommt.
Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich hier in Kolkata krank werde, wo es Privatkrankenhäuser nach westlichen Standarts gibt, und dass ich mich im Notfall auf die Hilfe meiner Kommilitonen verlassen kann.
Hoffen wir mal, dass nichts ernsthaftes bei rauskommt.