Jeder Ausländer, der länger als ein halbes Jahr in Indien bleiben möchte, muss sich bei dem für ihn zuständigen Foreigners Registration Office (FRO) registrieren lassen. Die hat innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft in Indien zu erfolgen. Das für ihn zuständige FRO hat der Ausländer gefälligst mittels Färtenlesen, durch den Einsatz von Spürhunden oder mittels Magie aufzufinden. Sollte er dabei über Telefonnummern stolpern so sind 8 von 10 davon ungültig, 1 ist gültig, hat aber nichts mit dem FRO zu tun und 1 gehört zumindest einmal zum richtigen Haus, wenn auch zu einer völlig anderen Abteilung.
Durch Färtenlesen, den Einsatz von Spürhunden und unter Einsatz all meiner Magie fand ich zwei Wochen nach meiner Ankunft in Kolkata endlich ein FRO. Nachdem mich der Taxifahrer gefühlte hundert Kilometer entfernt von dem FRO abgesetzt hatte und ich die übliche Begrüßungszeremonie (Eintragung im Gästebuch und warten) erfolgreich absolviert hatte, musste ich mit Betrübnis mit anhören, wie der Beamte, dem ich mein Anliegen vortrug, mich darüber belehrte, dass ich leider zum falschen FRO gekommen sei. Da mein indischer Wohnsitz im Stadtteil Salt Lake liege, müsse ich nach Barasat. Adresse hier. Telefonnummer weiß ich nicht. Tschüss!
Barasat ist irgendein kleiner Ort ausserhalb von Kolkata. Von meiner Universität aus fährt man mit dem Taxi gute 45 Minuten. Das Vorhaben wurde unter anderem aus diesen Gründen erst einmal vertagt.
Am 19. Juli nutzte ich die Ausrede zum FRO zu müssen, um den Vorlesungen ohne schlechtes Gewissen fern bleiben zu können. Nach einer Taxifahrt, die jeden Rallyefahrer das Gruseln gelehrt hätte (wir überholen den Bus, während dieser gerade einen Bus überholt. Auf der Gegenfahrbahn kommt uns ein Bus entgegen; einmal war es so knapp, dass sogar der Taxifahrer Angst hatte!!!) komme ich unversehrt an. Der lebensmüde Taxifahrer wartet auf mich. Immerhin, denke ich mir, trödelt er nicht; und zum Teil war er wirklich erfindungsreich, was Abkürzungen angeht.
Das FRO ist in einem Bungalow. Mehrere alte Schreibtische, auf denen sich uralte Zettel meterhoch türmen. Die Beamten so arbeitssam und emsig wie ein Kuhfladen. Ich mache den Fehler und gebe zu, dass ich am ersten Juli in Indien angekommen bin. Die hauptamtliche Briefbeschwererin fährt mit dem Finger über den Wandkalender und freut sich, dass sie den Fall so schnell abhandeln kann. „Register within 14 days“ kann ich ihrem Kauderweltsch entnehmen. Ich versuche mich zu verteidigen in dem ich eine Krankheit erfinde, die mich bis Dato daran gehindert hatte das FRO aufzusuchen. Die Frau verweist mich auf die Wartebank (typisches Verhalten für indische Beamte) und geht in einen anderen Raum. Es dauert auch nur knapp zwanzig Minuten, bis sie mit einem Kollegen zurückkommt. Der heimliche Blick, den ich in dieser Zeit in das Zimmer geworfen hatte, in das sie gegangen war, hatte mir übrigens zwei weitere schwer beschäftigte Kollegen offenbart. Einer schlief und der andere las Zeitung. Überhaupt scheinen diese zwei Beamten zu jeder indischen Behörde zu gehören. Ich habe schon überlegt, ob ich mir auch einen Zeitungsleser und einen Schläfer für mein Zimmer besorge. Verbreiten eine ungemeine Ruhe und sind auch sehr schmückend, wenn man über passendes Mobiliar verfügt. Leider ist mein Zimmer zu klein für dieses schicke Accessoir. Wie auch immer, der Mann der sich nun meiner annimmt spricht wenigstens ein verständlicheres Englisch. Ich erzähle ihm etwas von Delhi-Belly und dass ich wirklich gerne rechtzeitig gekommen wäre, aber die Aussicht auf einen Fall weniger an diesem Tag ist wohl doch zu verlockend für ihn. Er erklärt mir, ich hätte ein Bußgeld von 1350 Rupies (!) zu bezahlen, bevor ich registriert werden könne. Was solls. Es gibt schlimmeres! Stimmt! Ich kann den Betrag leider nicht hier bezahlen sondern muss zurück nach Kolkata zu folgender Adresse…
Mist! Ich versuche ihm klar zu machen, dass es ein weiter Weg ist von Salt Lake nach Barasat und dass ich das Geld viel lieber in seinen Händen sehen würde, aber der Mann ist uneinsichtig und in Gegenwart seiner Kollegin vielleicht sogar unbestechlich.
Ich lasse mich zurück zu meinem Hostel rasen und verfluche mich in Gedanken dafür, dass ich darauf vertraut habe, alles würde schon in Ordnung gehen, anstatt rechtzeitig zur Behörde zu gehen. Noch mehr verfluche ich meine mangelnde Bestechungskompetenz. Wenigstens habe ich nun ein wenig mehr Zeit für den Behördenkram. Das Bußgeld und die Registrierung muss nun innerhalb 180 Tage nach Ankunft in Indien erfolgen. Ich finde das hat eigentlich noch 160 Tage Zeit…
Nachtrag: Die Jagd nach Passierschein A28 geht weiter: Writer’s Buildings of Horror
Die indischen Beamten unterscheiden sich also nicht wesentlich von den deutschen Beamten. Es gibt Parallelen …
hallo paul,

habe jetzt alle deine einträge nachgeholt und mit großen augen gelesen. schließlich sind es nur noch zwei wochen und dann ist es auch für mich soweit…
auch ich wollte eigentlich länger als 6 monate bleiben, denn mein praktikum geht ja schon allein so lang…jemand hatte mir neulich auch von dieser registrierung erzählt und jetzt dein bericht…uiui…macht mir ein wenig angst.
da muss ich mich wohl dringend nochmal kundig machen wie das bei mir läuft.
weißt du, wer die regsitrierung nachprüft?
hast du ein visum für länger als 6 monate bekommen?
warte gespannt auf neuigkeiten!
lg noch aus leipzig
anja
[...] ich gestern ein paar aufmunternde Worte von meinen Kommilitonen bekommen habe, habe ich das Projekt FRO wieder aufgenommen. Nachdem ich erstmal, wie jeden Mittwoch, das Frühstück verschlafen habe machte [...]
[...] Kurve nach der anderen den Berg hinauf. Mir egal. Ich bin nur glücklich, dank NUJS-Ausweis und FRRO-Registrierungspapieren, den Inderpreis bezahlt zu haben. Und schön ist es hier auch noch. [...]